Das Emmental ist nicht einfach ein Tal. Die verästelte Ansammlung von Tälern, Tälchen, Furchen und Gräben, welche schliesslich in die Emme münden, bilden das Emmental im Osten des Kantons Bern. Im Emmental ist man rasch auf Nebenstrassen unterwegs, einem Wasserlauf folgend oder von einem Tälchen ins andere wechselnd. Früher eine komplett bewaldete Region, ist das Emmental heute im niedrigeren Teil von Äckern und Wiesen, weiter oben von Alpweiden geprägt. Schroffe Gräben wechseln sich mit gerundeten Hügeln. Hier einen Platz zu finden, wo es sich eine Nacht bleiben lässt, wo Ruhe und Kraft spürbar seine Wirkung entfalten können, ist wahrlich ein Privileg. Ab und an kennt auch mal ein Landwirt eine ruhige Ecke oder nach einem Abendessen im Bergrestaurant bleibt Kartika auf dem Parkplatz stehen und bietet da eine ruhige Nacht.

Nahe der Lüderenalp ist es nicht einfach, sich an den Gipfeln, Gräten, Hörnern und Flühen der Berner Alpen satt zu sehen. Im Spätherbst, das Vieh war bereits im Tal und die Alp verlassen, genossen wir ein Wochenende in abgeschiedener Ruhe. Einzig die Katzen waren noch nicht von der Alp ins Tal gezogen und streiften neugierig um unseren Bus.

Richtig, es wäre nicht korrekt, «das Ahorn» zum Emmental zu zählen. Von Huttwil her kommend und den richtigen Abzweiger in südlicher Richtung genommen, landeten wir auf der Ahorn-Alp und waren einmal mehr von der Weitsicht überwältigt. Nach einem feinen Abendessen im Bergrestaurant verbrachten wir eine geruhsame Nacht mit Kartika auf dem Parkplatz bis die aufgehende Sonne den erwachenden Tag ankündigte.

Es kann hier oben auch anders. Nur wenige Wochen später rüttelt ein starker Wind an den Gestängen von Kartikas Oberdeck, wohlverstanden unserem Schlafgemach. Er bringt unerwartet Schnee, wie sich am nächsten Morgen beim vorsichtigen Blick aus der Seitenluke zeigt. Das heisst ein erstes Mal Eis von den Fenstern kratzen, bevor wir mit Kartika behutsam ins Tal fahren.

Zurück im Emmental aber nahe der Grenze zum Kanton Luzern im Rämisgume liegt das Bergrestaurant Erika, zu erreichen in rund 20 Minuten gemütlicher Fahrt von Eggiwil. Sonnenuntergang beim Nachtessen im Erika und Sonnenaufgang beim Morgenkaffee vor unserem Bus. Emmental pur eben! digte.

Die Chapfere ist eine Anhöhe östlich der Schwarzenegg, welche im unteren Teil gemäht und geheut wird und im oberen Teil dem Vieh als Alp dient. Der Rundblick reicht vom Hohgant im Osten, weiter über die Sieben Hengste zum Niesen und Stockhorn im Süden bis hin zur Jurakette im Norden. Der Moment, wo im Tal Ruhe einkehrt und kaum mehr Geräusche die Hänge hinauf dringen, wenn die erste kühle Luft absinkt, das sommerliche Licht des Tages nach der Dämmerung der Nacht Platz macht und nur noch das sanfte Plätschern des Brunnens zu hören ist – und wir im Campingstuhl neben Kartika das Glas Wein austrinken, um bald ins Tal zu fahren – magisch.