Dänemark

Unser ursprüngliches Reiseziel für den Sommer 2019 war «Schottland». Und weil bei uns beiden beruflich diverse Veränderungen anstehen, wir «nur» auf  18 Urlaubstage gekommen sind, entschieden wir uns doch noch um.
«Dänemark» soll unser Reiseland Sommer 2019 werden!

Das kann ja nur gut kommen, sind doch die Dänen seit 2012 vom «World Happiness Report» immer wieder als «hyggeligste» Nation auserkoren worden! Was soviel bedeutet wie: sie sind die glücklichste Nation!

So machten wir uns am Donnerstag, 11.07.2019 auf, Richtung Norden. Bis 14 Stunden vorher noch völlig absorbiert von unserem vollbeladenen Alltag, sitzen wir nun in unserer Kartika. Wie die letzten Reisen davor: spätestens auf der Autobahnauffahrt Steffisburg breitet sich innerlich ein Gefühl von «Ferien», «Zeit-Haben», «Freiheit» oder noch besser, «dem Alltag-Entkommen» aus.

Über die Grenze nach Deutschland brettern wir abwechslungsweise über die Autobahnen. Lassen Lastwagen, Campers, Wohnwagen hinter uns, durchqueren fontänenartigen Gewitterregen, fahren weiter bis sich der Tag dem Ende neigt. Längst schon haben wir über die «Campercontact-App» einen geeigneten Schlafplatz mit vielen guten Bewertungen ausgewählt.

Nähe Fulda ist Kartika uns das erste Mal auf unserer Reise «das Zuhause».

Am nächsten Tag schauen wir uns das beschauliche Fulda an und lenken Kartika später vorbei am Hamburg-Stau, über die Grenze nach Dänemark, präziser noch, nach Augustenborg nahe Sonderborg.

An vorderster Front, am Wasser, mit Blick auf unser nächstes Ziel auf der andern Seite des Meerarmes, stellen wir unsern Bus für die erste Nacht in Dänemark ab. Nun, wie in den Reiseführern beschrieben, feiern und sitzen hier ein paar Dänenfamilien rund um die nahe Grillstelle, was uns für unser improvisiertes Nachtessen mehr als gelegen kommt, scheint doch die Glut gerade ideal zu sein für unsere Schweizer- Bauernbratwürste. Ein Tropfen Wein aus unserem Weinlager, gehört zu unserer persönlichen Feier (in Dänemark angekommen zu sein) dazu.

Am darauffolgenden Tag checken wir auf der Fähre Augustenborg-Bojden ein.

Auf der andern Seite fahren wir auf einer kleinen engen Strasse zu den «Dodekalitten», ein mystischer Ort inmitten von Kornfeldern. Hier trohnen auf einer Anhöhe riesige Steinfiguren. Es sind dies 7 Meter hohe Megalithen, die kreisförmig auf dieser Erhebung stehen. Der obere Teil der Steine zeigt jeweils ein, aus dem Stein gehauenes Gesicht. Das Werk ist unvollendet, geschichtlich auf ein prähistorisches Ereignis zurückzuführen, die Mystik und Bedeutung werden von meditativen Tönen aus dem unterirdischen Soundsystem untermalt.

Zurück von der Wanderung und den wirklich stimmungsvollen Eindrücken, breiten wir zufrieden neben unserer Kartika ein reichhaltiges Frühstück aus.

Wohl von der vielversprechenden Empfehlung des Reiseführers verleitet, steuern wir nun das vielgepriesene und mehrfach fotografierte Renaissanceschloss Egeskov an.

Schon auf dem Parkplatz lässt sich der Menschenauflauf erahnen! Auch der überteuerte Eintritt lässt uns von unserem Vorhaben dieses Schloss, übrigens eines von zahlreichen in diesem Land, nicht abbringen. Und wirklich, es tummeln sich hier zu Hauf Familien mit Kinderwagen, quengelnden Kleinkindern, hinkenden Grosseltern, Fotoapparat-bewaffneten Touristen und lauten Chinesen herum. Zum Glück ziehen da eine spannende Oldtimer-Ausstellung, ein wunderschön angelegter Kräutergarten und das, zugegeben, imposante Schloss unser Augenmerk wildauf sich.

Wild übernachten, freistehe

Ob das Freistehen in Dänemark erlaubt ist, ist nicht so klar. An vielen Stellen stehen Schilder, die das Campen verbieten – jedoch nicht überall. Und genau so eine Stelle konnten wir unweit von Spodsbjerg nah an der Küste ausmachen. Die wilde Natur, das Singen der Vögel und ein kilometerlanger Sandstrand lassen uns einen ungestörten Abend auf Langeland geniessen.

Erneut steuern wir Kartika auf die Fähre, die uns ostwärts nach Tars auf Lolland bringt. Unser Ziel, die Insel Mon erreichen wir nach einer abwechslungsreichen Fahrt über Autobahn und zahlreichen Brücken. Der Besuch der Kreidefelsen Mons Klint erfordert einige sportliche Anstrengungen. Erst der Abstieg über schmale Wege und Treppeninstallationen an den Strand erlaubt die Sicht auf die imposanten Felsformationen und Abbrüche der Kreidefelsen. Schritt um Schritt geht es dem schmalen Kieselstrand entlang, um am anderen Ende des Strandstreifens über 507 Treppentritte wieder zurück zum Besucherzentrum von Mons Klint hochzusteigen.

Nach einem wohlverdienten Eis und einem kurzen Halt auf einer Bank, fahren wir vorbei an Kornfeldern und Schilf zurück nach Stege. Dort verbringen wir auf einem Campingplatz, wohlverstanden mit ganz witzigem Kinderspielplatz, in Form eines kleinen Dorfes und einem, in den Boden eingelassenen Trampolins, eine Nacht.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf nach Kopenhagen. Dort haben wir uns einen Stellplatz am Yachthafen ausgesucht. Es sind etwa 12 Plätze, dicht an dicht, aber durchaus praktisch für die Stadt Kopenhagen zu besuchen.

Mit der U-Bahn können wir drei Stationen fahren und schon sind wir mitten in Kopenhagen! Durch die Einkaufsstrasse schlendern wir zum Nyhavn und gönnen uns inmitten des Touristentrubels ein Kaffee mit einem Stück Torte, das wir uns teilen 😉

Unsere Idee, heute Abend im Restaurant «Höst», an der Norre Farimagsgade 41, fein zu dinieren, zerschlägt sich beim Reservieren. Doch wir lassen uns nicht von der Idee abkommen und reservieren für den nächsten Abend! Es soll dort nämlich eine preisgekrönte, Neue Nordische Küche serviert werden.  

So beenden wir unsern Abend mit einer selbstgemachten «Rösti» und Spiegeleiern auf dem Kiesplätzchen auf dem Stellplatz des Yachthafens und dies bei Mondfinsternis😉

Wo wir am Vortag noch mit Umwegen zur S-Bahn-Station gelangt sind, nehmen wir heute den Weg direkt in Angriff und machen uns auf in die Stadt. Unser erstes Ziel wird der Ronde Tarn ( Runder Turm) sein. Speziell daran ist, dass nicht eine Treppe hoch zur Turmspitze führt, sondern ein spiralförmiger Weg, der sich nach oben kurvt. Von hier hat man dann eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Kopenhagen.

Damit wir etwas schneller vorwärts kommen in dieser weitläufigen Stadt, laden wir uns eine App runter und können uns so E-Trottinette ausleihen, was wirklich Spass macht 😊 So «cruisen» wir durch die Stadt.

Beim Nyhavn nehmen wir uns ein Touristenboot und lassen uns bei einer spannenden Hafentour die Stadt von einer ganz andern Seite schildern.

Zurückschlendernd durch die Einkaufsstrasse und shoppen im Kaufhaus «Le magasin» stossen wir auf der Rooftopbar des «Illums» auf unsere Ferien und das gute Leben an!

Schlussendlich hören wir noch einem talentierten Strassenmusiker zu und machen uns dann auf zu der Adresse des Restaurants. Unterwegs werfen wir auch bei den Markthallen , den «Torvehallerne», einen Blick rein.

Das «Höst» war dann in einer unscheinbaren Strasse, in einem noch unscheinbareren gebäude zu finden, aber was wir dann in den nächsten drei Stunden serviert bekommen haben, war eine riesige Gaumenfreude: zum Beispiel die, in Zuckerwasser eingelegten Pinienzapfen, die ein wirkliches Bouquet für den Gaumen waren oder auch für das Auge, das bekanntlich mitisst: die «Blumendekoration» aus Caramel. >es hat schon damit begonnen, dass uns die Butter auf einem Stein, nicht ganz hart, serviert worden ist. Alles in Allem verlassen wir extrem begeistert das Lokal und legen uns die letzte Nacht in Kopenhagen auf dem Stellplatz am Yachthafen schlafen.

Am Morgen geht es für die nächsten 108 Kilometer Richtung Norden, um dort in Odden die Fähre nach Aarhus zu nehmen.

Von der Fähre herkommend, lotst uns das Navi zur endlosen Brücke, diese liegt am Strand von Aarhus, unterhalb des Schlossgartens. Hier wurde vor ein paar Jahren eine hölzerne, kreisrunde «Brücke», ähnlich einem Steg, ins Meer gebaut worden. Nun, die Umrundung dieser Brücke ist ehrlich gesagt nichts Besonderes, nicht einmal für all diejenigen, die nur ungern über Brücken traversieren.

Auf der Überfahrt haben wir uns entschieden, rund 10 Kilometer an Aarhus vorbeizufahren und unsere Kartika in Odder auf einem Bauernhofcamping zu stationieren. Das war eine gute Entscheidung: ein pensionierter Bauer hat neben seinem Bauernhof ca. sechs Stellplätze angelegt und in eines der ehemaligen Wirtschaftsgebäude die Sanitäranlage eingebaut. Hier geniessen wir den warmen Nachmittag mit lesen und «Blogschreiben».

Irgendeinmal während des Abends kam bei uns die Idee auf, am nächsten Tag Kartika im modernen DOK 12 in Aarhus zu parken und uns in der Stadt ein Café, in dem man frühstücken kann, zu suchen. Gedacht, getan!

Nun, zumindest der Wille war da. Das Parkhaus war geradezu futuristisch: Jeder Automobilist, der seinen Wagen hier parken will, steuert eine Art Gargentor an. Das Tor geht auf und der Fahrer fährt sein Auto in die geöffnete Garage. Genauso weit sind auch wir mit unserer Kartika gekommen…bis auf dem Display erschienen ist, dass die Kartika leider zu schwer ist, um in dieser Garagenbox, wie in einem Lift, nach unten gefahren zu werden.

Nun gut, wir haben Kartika schlussendlich auf einem ganz konventionellen Parkplatz geparkt.

Schon nach wenigen Metern stossen wir auf ein Café. Bei näherer Überprüfung, entpuppt sich «Casablanca», als DAS Frühstücksparadies schlechthin. Es fehlt an Nichts! Ein phänomenales dänisches Frühstück geniessen wir an der Sonne in Aarhus!

Zurück bei unserer Kartika, geben wir ins Navi die Adresse, der ältesten Kopfsteinpflasterstrasse Aarhuus`s ein: «Mollestien».

Es ist eine kleine Strasse, gesäumt von alten, schrägen Rieghäusern. Wirklich ein Bijoux!

Nach einer Fotosession, wollen wir uns jetzt noch auf die restlichen Kilometer in den Norden machen. Via Saeby fahren wir nach Skagen, das letzte Städtchen im Norden Dänemarks, wo Ost- und Nordsee zusammenfliessen.

Hier wollen wir zwei Nächte bleiben!

Wir stellen Kartika ab, beim Inspizieren des Campingplatzes sprechen uns zwei junge Hamburgerinnen an, ob wir mit ihnen das Spiel «Wikingerschach» mithelfen würden. Wir sind dabei, später gesellt sich noch ein junges Schweizerpäärchen dazu.

Am nächsten Morgen, es ist wechselhaftes Wetter, ziehen wir unsere Wanderschuhe an, packen den Rucksack und wandern durch die Dünen der nordöstlichsten Spitze Dänemarks zu. Wir blicken über Heide, Schilf und Sand, vor uns die unendliche Weite des dunkelblauen Meeres. Über uns ziehen die Wolken vorbei, mal sich grautürmend, dann wieder auflockernd und sogar Sonnenstrahlen durchlassend.

Nicht nur wir alleine hatten dieses Vorhaben…es waren noch ein, zwei andere, die es auch zur Landspitze zog. Jedoch gingen nur wir beide über die Dünen, die andern wählten alle den Weg entlang des Wassers…barfuss, mit, zum Teil noch weissen Sneakers, Gummistiefeln, Wanderschuhen, Flipflops oder auch in Mitleidenschaft gezogenen Geschäftsschuhen.

Jede und jeder wollte hier das ultimative Bild: ein Bein in der Ostsee, das andere in der Nordsee. Und obschon mehrfach darauf hingewiesen worden ist, wie gefährlich hier die Strömung ist, konnte man diverse fragwürdige Verhalten beobachten….Hauptsache, man kommt zu eben diesem Foto!

Nun, auch wir beide schaffen es irgendeinmal uns von einem andern «Touri» fotografieren zu lassen.

Barfuss schlendern wir dem Meer entlang zurück. Den Kopf gesenkt, nach speziell geformten oder gezeichneten Steinen suchend. In Skagen, ein Örtchen mit gelbgetünchten Häusern, aber wohlverstanden von Urlaubern so richtig eingenommen, tauchen wir ein in den Touristenstrom, shoppen, degustieren und essen einen leckeren, dänischen Hamburger. Beim Verlassen des Restaurants regnet es und bestimmt für den Rest des Abends unser Programm. Wir spielen im Bus zwei Runden Scrabble.

Nach Skagen heisst unsere Fahrtrichtung Süden. Unsere Reise wird nun entlang der Westküste Dänemarks führen.

Auf den nächsten kilometern wollen wir drei ziele ansteuern. Es sind dies: die Wanderdüne Rabjerg Mile, der Autostrand Tornby und der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr. Die grösste Wanderdüne Dänemarks, Rabjerg Mile, befindet sich wenige Kilometer von Skagen entfernt an der Nordspitze Jütlands. Die 40 Meter hohe Düne bewegt sich jährlich 15 Meter Richtung Nordosten und wird durch die Wanderung in rund 100 Jahren die Strasse, welche wir von Skagen zurück Richtung Süden gewählt haben, erreichen.

Der Tornby Strand, geprägt von üppiger Vegetation, einem Dünenwald und einem 10 km langen, breiten Sandstrand. Der Sand ist stellenweise so hart, dass der Strand zum Spass einlädt, mit dem Auto darauf zu fahren. Kartika hat sich auf den hellen Sandstreifen und in der rauhen Natur gut gefühlt.

Die Gewalt der Natur, zeigt sich am Rubjerg Knude Fyr. Der Leuchtturm, einst 200 Meter vom Ufer entfernt gebaut, lag während vielen Jahren unter einer Sanddüne verschüttet. Die Wanderdüne befindet sich nun westlich vom Turm. Doch der Turm selbst muss in den nächsten Monaten um 80 Meter landeinwärts versetzt werden. Die Brandung hat die Klippe in all den Jahren abgetragen und den Leuchtturm schon fast erreicht. Ohne die aufwändige Versetzung würde dieser bereits 2020 ins Meer stürzen.

Schiffe werden hier auf den Strand gezogen.

Nahe Hvide Sande liegt der Campingplatz Norre Lyngvig, der in einer grosse Dünenlandschaft angelegt ist. Die freie Platzwahl bietet ein abwechslungsreiches Schauspiel, denn nicht wenige ziehen ihre überlangen Wohnwagen über die geschlängelten Wege durch die Dünen. Auf diese Weise, besser jedoch zu Fuss oder mit dem Rad kann jeder seinen Traumplatz in der wild anmutenden Dünenlandschaft suchen. Bei unserer Ankunft peitschte Regen und Ostwind gegen unseren VW-Bus. Wir richteten uns erst am Abend ein als das Wetter aufklarte und entschlossen uns, zwei Nächte zu bleiben, um auch die sonnige Seite von Hvide Sande kennen zu lernen.
Wärmende Sonne begrüsste uns bereits früh am Morgen. Westwind bläst Welle um Welle gegen den Strand. Diese Stetigkeit, dazu die unendlich scheinende Länge des Strandes und die Weite des Horizont bilden Dimensionen, die zum Staunen und zum ruhigen Geniessen einladen.

Die vielgerühmte Insel Romo

Die vielgerühmte Insel Romo kann uns wenig begeistern. Eine Einspurstrecke auf der Schnellstrass, welche explizit für das Check-In auf dem Camping reserviert ist, lässst Schlimmes ahnen. Tausende von Urlaubern drängen sich auf diesen Campingplätzen. Wir steuern auf den riesigen Strand, erhalten ein kleines Abbild vom jährlich hier stattfindenden farbenfrohen Drachenfestival und verlassen dann rasch den riesigen Sandstrand wieder – aber nicht ohne bei der Wegfahren zeitweise mit mindestens hundert anderen Fahrzeugen in einer Autokollone zu stehen.

Unsere Reise zurück Richtung Schweiz verbinden wir mit einem Besuch in Belgien. Daher steuern wir nicht direkt südwärts. Wir wählen wegen der grossen Hitze, die in der Schweiz als auch in Deutschland und Holland herrscht unsere Route nah dem Meer entlang und gewinnen damit leicht tiefere Temperaturen – wobei die Anzeige zeitweise auch auf 36 Grad steigt .

Einen kurzen Zwischenstopp gönnen wir uns im norddeutschen Städtchen Husum, wählen anschliessend die Fähre in Glücksstadt um über die Elbe zu gelangen und steuern Holland und später Belgien an.

Unsere Camping-App zeigt uns nahe der Autobahn einen kleinen Campingplatz an. Es ist dies ein Platz an einem Kanal, auf einem Bauernhof. Wir beide senken den Altersdurchschnitt rapide 😉 hier scheinen sich die meisten zu kennen, über mehrere Parzellen hinweg, vor ihren Wohnwagen sitzend, unterhalten sich die Mittsiebziger angeregt.

Und weiter geht’s Richtung Süden Belgien zu. Utrecht bietet sich für einen Zwischenhalt ideal an. Der Domtoren, ein aus dem 14. Jahrhundert stammender Glockenturm überragt die mittelalterliche, gemütlich und malerisch wirkende Stadt mit ihren Grachten. Ein Kaffee im Schatten riesiger Bäume stärkt uns für die weitere Durchquerung der Niederlande.